Die Gitarre ist eines der vielseitigsten Instrumente, die es gibt. Sowohl als klassische Konzertgitarre oder als elektrische Gitarre ist sie aus unserer heutigen Musikwelt nicht mehr wegzudenken. Sie vereint eine lange und interessante Entwicklungsgeschichte in sich, die in den Hochkulturen Mesopotamiens und Ägyptens ihren Anfang nimmt.

Die Anfänge

Geht man an die Anfänge der Gitarre zurück, so muss man sich weit in der Menschheitsgeschichte zurückbewegen. Denn erste bildliche Hinweise auf ein gitarrenähnliches Instrument gibt es bereits in Mesopotamien und Ägypten über 1000 Jahre v.Chr. In diesen Bildern spielen Menschen ein Saiteninstrument, dessen Saiten über einen Hals auf einen Resonanzkörper gespannt sind. Weiter in der Zeit erscheinen im orientalischen Raum verschiedene Saiteninstrumente, die in ihrer Spiel- und Bauweise bereits entfernt an die Gitarre erinnern. In der Türkei gibt es beispielsweise die Saz, die aus einem Resonanzkörper mit Saiten besteht.  Oder die Setar aus dem Iran mit ihren drei Saiten, die auch heute noch eingesetzt wird. Desweiteren gibt es natürlich die Laute, die in ihren verschiedenen Formen ab dem frühen Mittelalter in Europa populär wurde. Wann die erste uns heute bekannte Form der klassischen Gitarre entstanden ist, kann nicht mit Bestimmtheit gesagt werden. Weswegen wir am spanischen Hof des 16. Jahrhunderts mit unserer Betrachtung wieder einsetzen. Dies hat einen einfachen Grund, denn im spanischen Raum herrschten zwischen 711 und 1492 die Mauren. Mit ihnen kam die arabische Laute al-oud nach Spanien und somit nach Europa. In Spanien entwickelte sich dieses damals bereits hochentwickelte Instrument langsam über die Renaissancelaute zur Vihuela, dessen Korpus und Hals schon an unsere heutige, populäre Gitarre erinnert. Von diesem Punkt der Geschichte entstand die erste Literatur, die man als Gitarrenliteratur bezeichnen kann.

Form und Bau

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Moderne Akustikgitarre mit Nylonsaiten und Cut-Away

Die Gitarre, die zu jener Zeit entsteht, setzt sich im Wesentlichen aus zwei Teilen zusammen, dem Korpus und dem Hals. Der Boden und die Zarge des Korpus werden im Normalfall aus Palisanderholz gefertigt, während die Decke mit dem runden Schallloch aus Fichtenholz geformt wird. Die Wahl des Holzes ist von größter Bedeutung beim Gitarrenbau. Fichtenholz wird beispielsweise gerne für die Decke verwendet, da es einen offenen und warmen Ton produziert, der sich gut durchsetzen kann. Palisanderholz für Boden und Zargen hingegen ist schwerer und schwingt nicht so wie Fichtenholz. Dadurch werden ungewollte Schwingungen des Korpus verhindert.

Der Hals einer Konzertgitarre ist aus Mahagoniholz gebaut. Auf dem Hals wird schließlich noch das Griffbrett angepasst. Es ist in der Regel aus Ebenholz gefertigt und wird durch sogenannte „Bundstäbchen“ eingeteilt. Diese Bundstäbchen bestehen aus Elfenbein oder Silber. Mit den Bundstäbchen kann der Hals in Bünde eingeteilt werden. Jeder Bund teilt die Saite punktgenau und steht für einen Halbton. Man kann einen Bund  beispielsweise mit der Taste eines Klaviers vergleichen, die ja auch für jeweils einen Halbton steht. Eine normale Konzertgitarre besitzt 20 Bünde, die der Gitarre einen Tonumfang von  vier Oktaven ermöglichen. Am oberen Ende des Halses befindet sich der Kopf mit dem Sattel und der Mechanik. Die Mechaniken mit ihren Wirbeln, an denen die Saiten befestigt werden, müssen perfekt justiert und von Qualität sein, damit die Saitenführung optimal ist. Ist dies nicht der Fall, kommt es zu Verstimmungen und einem schlechten Klang. Wer einmal mit einem solchen Instrument gespielt hat, weiß, wie sehr das an die Nerven gehen kann. Deswegen sollte bei der Pflege der Gitarre auf die Mechaniken geachtet werden, die gut geölt und technisch in einwandfreien Zustand sein sollten.

Schließlich gibt es noch auf der Decke den Steg. An ihm sind die sechs Darm- bzw. Nylonsaiten befestigt. Stege gibt es in verschiedensten Formen. Auch hier ist die Qualität wichtig, da er die Saite halten muss. Die Strecke zwischen Steg und Sattel bezeichnet man als Mensur. Für Kindergitarren wählt man beispielsweise eine kürzere Mensur als bei einer normalen Konzertgitarre für Erwachsene.

Die wichtigsten Teile der Gitarre

  • Korpus, bestehend aus Boden, Zargen und Decke
  • Steg
  • Hals
  • Kopf
  • Sattel
  • Mechanik

Klangerzeugung

Der Ton wird durch das Zupfen der Saiten mit dem Finger über dem Schallloch in der Decke oder auch nahe dem Steg erzeugt. Der Korpus verstärkt hierbei die Schwingungen einzelner oder mehrerer Saiten bei einem Akkord. Auf dem Hals wird mit der anderen Hand die Saite in dem gewünschten Bund durch Drücken der Saite mit der Fingerkuppe verkürzt. So entsteht ein Ton auf der Gitarre. Diese Art der Tonerzeugung stellt den Musiker vor große Anforderungen. Denn er muss nicht nur sehr sauber greifen, sondern auch mit seinen Fingern den Klang in Dynamik und Ausdruck variieren können. Es bedarf bei der klassischen Gitarre einer sehr guten Technik und viel Übung, um das gesamte Klangspektrum zur Entfaltung bringen zu können. Der Zuhörer wird so durch den Klang eines der vielseitigsten Instrumente überhaupt belohnt, der reich an Variationen und expressiv wie kaum ein anderer ist. Hierbei kann die Gitarre als Begleitinstrument im Hintergrund zu Gesang oder einer Gruppe erklingen, oder aber als rassiges Soloinstrument glänzen. Diese Verbindung in einer handlichen Größe und Form kann nur die Gitarre bieten.

Literatur für Gitarre

Betrachtet man die klassische Literatur, so fällt auf, dass sie stark durch Spanien und Lateinamerika geprägt ist. Was vor dem geschichtlichen Hintergrund nicht weiter verwundert. Ihr charakteristischer Klang und die dadurch entstehende Atmosphäre lässt oft vor dem inneren Auge Flamenco-Tänzer, spanische Stierkämpfe oder Andalusien erscheinen. Aber auch Stücke von klassischer Disziplin und Würde können genauso auf der Gitarre gespielt werden. Als Säulen für klassische Literatur sind hier Fernando Sor, Francisco Tarrega, Mauro Guliani, Deonusio Aguado, Leo Brouwer und Heitor Villa-Lobos zu nennen. Sie haben mit ihrer Art zu komponieren die Gitarrenliteratur begründet und geholfen einen eigenen Klangkosmos für dieses Instrument zu schaffen. Als Instrumentalisten sind vor allem Andres Segovia, Julian Bream, Narciso Yeppes und für die Flamenco-Gitarre der berühmte Paco de Lucia hervorzuheben. Sie haben für die Entwicklung dieses Instrumentes sehr viel geleistet.

Verschiedene Arten

Es gibt neben der klassischen Konzertgitarre noch viele andere Gitarren. Die populärste ist sicherlich die elektrische Gitarre, die durch Musiker wie Jimi Hendrix, BB King oder Eric Clapton in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sehr populär geworden ist. Sie gibt es in verschiedensten Variationen, mit sechs, sieben, acht oder sogar zwölf Saiten. Ebenso gibt es die akustischen Gitarren in vielen Variationen, wie beispielsweise die Westerngitarre mit  sechs oder zwölf Stahlsaiten. Größe, Form, Farben und Ausstattung können variieren, wodurch dem individuellen Design kaum noch Grenzen gesetzt sind.