Um ein Musikstück vor dem Mastering gut zu mixen, gibt es unendlich viele Möglichkeiten und ultimative Tipps von Produzenten, die oft in den hohen Rang eines Magiers befördert werden. Doch wie bei den meisten Dingen liegt das Geheimnis, sofern es denn eines ist, in den kleinen Details und einem planvollen Arbeitsprozess, der nichts mit Magie zu tun hat, sondern eher mit konzentriertem Zuhören. Hier sollen nun ein paar kleine, aber grundlegende Denkanstöße zum Mixen gegeben werden, die sich im Großen und Ganzen in den allgegenwärtigen Stilen der Popmusik anwenden lassen.

Sie behandeln folgende Themen:

  1. Lautstärke
  2. Equalizer
  3. Kompression
  4. Tiefe im Mix
  5. Knackiger Bass
  6. Schnelles Mastering für Demos


1. Lautstärke

Eines der häufigsten Probleme beim Mix ist die Bass Drum. Es kommt schnell vor, dass sie vom Rest des Mixes „verschluckt“ wird, nicht richtig und klar durchkommt. Meistens ist der einfache Grund hierfür die Lautstärke der anderen Instrumente, die in diesem Fall meist zu hoch ist. Die Lautstärke-Struktur eines Mixes oder der Fader ist grundlegend für einen gelungenen Track, bei dem alle Instrumente in einem ausgewogenen Verhältnis zu einander zu hören sind. Hierfür ist die wichtigste Grundregel nicht zu laut zu starten, um den vollen Headroom ausnutzen zu können.

Ein guter Weg dieses zu erreichen ist zunächst die Konzentration auf die führenden Rhythmuselemente, den Gesang, der bei Instrumentalstücken logischerweise wegfällt, und die Leadinstrumente. Sie müssen gut hörbar und ausbalanciert sein. Doch was tun, wenn dies nicht der Fall ist? Hier kann man die anderen Instrumente in einer Gruppe zusammenfügen und solange runterziehen, bis die wichtigen Spuren klar zu hören sind. Sollte dann immer noch ein Instrument übertönt werden, fasst man die restlichen Spuren wieder zu einer weiteren Gruppe zusammen. Hat man dann schließlich die tragenden Elemente deutlich herausheben können, sollten alle Fader auf einem vernünftigen Level stehen. Nun ist der Grundstein für einen gelungenen Mix gelegt. Die eigentliche Arbeit des Mixens kann beginnen.

Es ist also wichtig zu bedenken, dass Lautstärke nicht gleich Lautstärke ist und sie manchmal sogar Tracks eher verschluckt, als sie in den Vordergrund zu bringen.

Zusammengefasst

  • Erstellung einer erkennbaren Lautstärkestruktur
  • Hervorhebung der führenden Rhythmuselemente, des Gesangs/ Melodieinstruments und der Leadinstrumente
  • Gruppen für die anderen Instrumente erstellen
  • Start des Mixes auf einem vernünftigen Level


2. Equalizer

Die richtige Einstellung des Equalizers ist ein schwieriges Thema. Man muss oder sollte sich zumindest mit den Frequenzgängen der wichtigsten Instrumente und Tonlage auf einem ausbaufähigen Niveau auskennen, um hier keine groben Fehler zu begehen. Denn mit einer zu extremen Filterung einzelner Tracks und Instrumentengruppen kann viel zerstört werden. Ein wichtiges Stichwort ist hier die „Klarheit“ im Klang oder ihr Gegenteil, die oft mit „Muffigkeit“ des Klangs umschrieben wird.  Doch zunächst sollten die beiden gängigen Arten von Equalizern und Filtern kurz genannt werden. Es gibt einmal den Graphischen EQ, den man meist bei HiFi-Anlagen, im PC oder Smartphone findet. Er kann lediglich eine feste Frequenz, zB. die Höhen, absenken oder anheben. Der Parametrische EQ kann zusätzlich die gewollte Frequenz auswählen, um sie dann zu bearbeiten. Solche EQs werden in professionellen Mischpulten oder Effektgeräten verwendet. Bei den folgenden Beispielen wird immer von einem Parametrischen EQ ausgegangen.

In der Regel will man einen möglichst transparenten und klaren Sound erreichen, der es dem Hörer erlaubt die Instrumente deutlich zu hören. Hier ist ein Frequenzbereich wichtig, nämlich die Frequenzen unterhalb von 250 Hz. Sie werden gerne nach Geschmack abgesenkt, um den Gesangsspuren und Leadinstrumenten mehr Klarheit zu bringen. Denn dieser Frequenzbereich wird gemeinhin mit der oben erwähnten „Muffigkeit“ assoziiert. Es kann also ein sinnvoller Ansatz sein, sich bei verschiedenen Instrumenten diese Frequenz anzusehen, bzw. anzuhören.

Graphischer Equalizer

Quelle: Wikimedia Commons

Doch muss dies bei allen Projekten so gehandhabt werden? Nein. Ein Stück mit einer überschaubaren Spurenanzahl braucht nicht zwingend viel oder gar übertriebenes Filtern. Hier hilft die einfache Faustregel: Je mehr Tracks ein Stück enthält, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch gefiltert werden sollten. Jedoch kann es vor allem Gesangsspuren und Akustikgitarren nicht schaden, wenn man die tiefen Frequenzen an gewissen Stellen in einem umfangreichen Arrangement absenkt, um sie durchschlagskräftiger zu machen.

Weiter ist beim Equalizer wichtig eventuelle Frequenzen zu finden, die Geräusche verursachen. Beispielsweise der Plektrumanschlag bei einer Westerngitarre, die eine groovige Rhythmusbegleitung spielt. Hier kann es manchmal einen unschönen Sound geben, der fast wie ein perkussives, zusätzliches Element im Mix mitklingen kann. In einem solchen Fall kann man mit dem Frequenzband eines parametrischen EQs die betreffende Frequenz suchen und dann mit einem Cut-Off beseitigen. Dies ist eine Art chirurgischer Eingriff, der punktgenau Frequenzen verringert. Auch Snaredrums können an einer gewissen Stelle im Frequenzbereich bei ungefähr 1,2 KHz ein sehr störendes „Klingeln“ entwickeln. Hier kann in diesem Bereich ein Cut-Off durchgeführt werden, um es zu abzusenken.

Generell sollte man sich die Regel setzen, beim leichten Anheben einer Frequenz mit einer weiten Bandbreite zu arbeiten. Will man eine bestimmte Frequenz punktuell verändern, so ist ein Pass Filter oder Cut-Off für die gewählte Frequenz sinnvoll. Viele moderne EQs bieten solche Filter und Cut-Offs in ihren Parametern an. Auch hier ist bei der Bedienung aber überlegtes Handeln wichtig.

Es ist bei der Arbeit mit dem EQ also wichtig, sie im sinnvollen Maß und überlegt einzusetzen. Für einen guten Mix sind sie unerlässlich. Sie können für gewisse Instrumente mehr bewirken als die oben beschriebene Lautstärke.


3. Kompressor

Um den Sound zu bearbeiten, gibt es neben den Equalizern noch ein weiteres Gerät, das grundlegend für einen guten Mix ist. Dieses Gerät ist der Kompressor. Er gehört mit zu den wichtigsten dynamischen Klangbearbeitern im Aufnahme- und Mischprozess überhaupt.

Allgemein gesprochen hebt ein Kompressor leisere Passagen an und senkt gleichzeitig die lauteren ab, so dass ein ausgeglichener, homogener Klang entsteht. Er ist vor allem bei Gesangsaufnahmen wichtig. Beim professionellen Gebrauch von Kompressoren gilt es einige wichtige Grundsätze zu beachten. Wie beim Mix ist der Wichtigste, sich genau zu überlegen, wann er überhaupt notwendig ist, und wenn ja, in welchem Umfang er benutzt werden sollte. Grundsätzlich gilt hier,  je weniger er beim Mix eingesetzt wird, desto besser. Denn der Einsatz des Kompressors bedeutet immer eine Veränderung des ursprünglichen Klangs. Er ist also nicht mehr natürlich. Hat man beispielsweise Passagen, die so leise sind, dass sie an gewissen Stellen im Mix untergehen, kann dies auch durch eine Automation der Lautstärke geregelt werden oder durch das oben bereits beschriebene Filtern mit dem EQ. Jede Methode hat Vor- und Nachteile und man muss situations- und materialbedingt abwägen, welche die sinnvollste ist.

Insgesamt gibt es sechs wichtige Grundparameter, die bei einem Kompressor eingestellt werden können:

  • Threshold: Bestimmt, wie laut das Eingangssignal sein muss, bevor der Kompressor einsetzt.
  • Ratio: Regelt den Grad an Kompressoren. Ist die Ratio beispielsweise  auf 3:1 eingestellt, bedeutet dies, dass ein Signal über 3dB leigen muss, um von dem Kompressor um 1dB angehoben zu wderden. Die Ratio ist sehr wichtig.
  • Attack: Regelt die Geschwindigkeit, mit der ein Kompressor arbeitet, wenn das Eingangssignal über dem Threshold liegt.
  • Release: Regelt die Geschwindigkeit, mit der ein Kompressor  aufhört zu arbeiten, wenn das Eingangssignal unter den Threshold sinkt.
  • Make-Up Gain: Hebt oder senkt das Kompressorsignal an.
  • Output: Hebt oder senkt das Endsignal, das schließlich zu hören ist.

 

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Röhrenkompressor der Firma dbx. Quelle: Wikimedia Commons

Im Umgang mit diesen Parametern ist aufmerksames Zuhören wichitig, da hier viel falsch gemacht werden kann. Doch auch als gewollter Effekt ist der Kompressor leistungsfähig. Hier gibt es z.B. das Sidechaining, das einen gewollten, „pumpenden“ Effekt erzeugt. Dieser Effekt kommt bei Dancemusic oft zum Einsatz. Populär wurde er durch die Band Daft Punk.

Ähnlich wie ein Kompressor arbeitet der Limiter.




Punkt 4 „Tiefe im Mix“ folgt…

 

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