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Warum der Notting Hill Soundtrack heute noch Herzen berührt

Vor über 25 Jahren kam Notting Hill in die Kinos – und wurde sofort zum romantischen Kultfilm. Neben der charmanten Liebesgeschichte zwischen Julia Roberts und Hugh Grant bleibt vor allem eines im Gedächtnis: die Musik. Der Soundtrack begleitet nicht nur den Film, sondern verstärkt auf eindrucksvolle Weise dessen emotionale Tiefe. Songs wie She von Elvis Costello sind eng mit ikonischen Szenen verbunden und prägen bis heute das Bild des Films. In diesem Artikel werfen wir einen Blick auf die Musik, die Notting Hill zu mehr als nur einem romantischen Film machte – nämlich zu einem unvergesslichen Moment der späten 90er Jahre.

Das Geheimnis von Filmusik

Als Zuschauer eines Films wie Notting Hill befindet man sich in der einer dankbaren Position. Man kann sich im Kino einfach zurücklehnen, die Geschichte und die Musik genießen, während man die Bilder auf sich wirken lässt. Doch nicht nur die Bilder lässt man auf sich wirken, sondern auch, manchmal sogar besonders, die Musik eines Films.

Sie begleiten einen Film im besten Fall unmerklich, aber doch so intensiv, dass sie einen die Bilder intensiver erleben lassen. Wichtige Momente sollten verstärkt werden und dort, wo Worte fehlen, diese in Melodien verwandeln.

Als Kinobesucher hat man bei einem Film aber nur manchmal das Glück, dass die Geschichte, der Ort der Handlung, die Charaktere und die Filmusik wie aus einem Guss erscheinen und sich alle Elemente zusammenfügen. In diesem Moment wird man vom bloßen Kinobesucher zum Fan eines Films.

Notting Hill erfüllt vielleicht diese Prämissen und feierte 2024 bereits seinen 25. Geburtstag. Diese leichte Komödie mit ihrer romantischen Filmmusik von 1999, die eigentlich nicht mehr vorgestellt werden muss, wurde weltweit zu einem großen Kassenerfolg, erhielt mehrere Golden Globe Nominierungen und Preise. Auch der Notting Hill Soundtrack verkaufte sich ungefähr drei Millionen Mal.

Mit Hugh Grant und Julia Roberts in den beiden Hauptrollen perfekt besetzt, versprüht Notting Hill auch heute noch seinen Charme mit seiner Mischung aus sympathischem urbanen Chaos, Freundschaft und der großen, unerwarteten Liebe. Dieser Mischung kann man sich nur schwer entziehen. Nicht nur, weil sich in beinahe jedem Dialog intelligenter Wortwitz zeigt, der vor dem Hintergrund des nostalgischen Stadtviertels Notting Hill eine starke Wirkung entfaltet, sondern auch, weil die Liebesgeschichte zwischen Anna und William ungekünstelt in das Setting eingewoben ist.

Allein die kleine, etwas aus der Zeit gefallene Buchhandlung und das Wohnhaus mit der blauen Tür des ebenfalls aus der Zeit gefallenen Protagonisten William Thacker sind in Notting Hill bestens aufgehoben. Seine erste Begegnung mit Anna Scott, dem großen Filmstar, zieht seine Wirkung vor allem aus dem Kontrast zwischen der großen weiten Welt, symbolisiert durch Anna, und der kleinen, vermeintlich unbedeutenden Welt des Buchladens in dem kleinen, alten Stadtteil Notting Hill, vertreten durch William, der sich mit einem kleinen Bücherdieb und schlechten Verkaufszahlen herumschlagen muss.

Wer sind Spike, Honey und die anderen in Notting Hill?

Auch die weiteren Charaktere, wie beispielsweise Williams Schwester Honey und sein Room-Mate Spike, dargestellt von der unvergessenen Emma Chambers dem kongenialen Rhys Irfan, passen nach Notting Hill. Wirken sie doch wie der menschgewordene Notting Hill Carnival, der jährlich dort stattfindet und eine Institution im Veranstaltungskalender der Metropole ist.

Beide sind etwas schräg, verrückt in ihrer Kleiderwahl und dabei doch so liebenswert, dass man sich auf jede Szene mit ihnen freut. Den Kontrast zu den beiden bilden Williams beste Freunde, das Ehepaar Bella und Max, die trotz Bellas schweren Unfalls, seit dem sie an den Rollstuhl gefesselt ist, eine glückliche Ehe führen.

Sie werden von Tim McInnerny und Gina McKee dargestellt.Beide sind eher konservativ und vor allem Max „very British“. Genauso wie der etwas verpeilte und chronisch erflglose Börsenmakler Bernie, der kein Fettnäpfchen auslassen kann. Sein Darsteller Hugh Bonneville wurde später vor allem als Earl von Grantham in der erfolgreichen Fernsehserie Downton Abbey bekannt. Lovely!

Somit sind die Elemente Geschichte, Ort der Handlung und die Charaktere so stimmig angelegt, dass die Chancen groß sind, nicht mehr nur bloßer Kinobesucher zu sein. Doch wie sieht es mit dem Notting Hill Soundtrack aus? Komplettiert er das Gesamtpaket so, um auch tatsächlich Fan zu werden?

Julia Roberts als Anna Scott und Hugh Grant als William Thacker spazieren abends durch Notting Hill.

Abb.1: Anna und William, die abends durch London spazieren gehen.

Der Notting Hill Soundtrack als Zeitkapsel – Britpop & Romantik der 90er

She – Die Verdichtung auf ein einziges Wort

Es genügt eigentlich mit She darauf zu antworten und die Musik des Films zu beschreiben. Nicht nur ist She der Song, der im Vorspann zu hören ist, sondern auch die Verdichtung der Story auf das eine Wort She. Elvis Costellos Song ist somit als Einstieg perfekt und gibt direkt den Ton vor. Dieser Ton ist romantisch, melancholisch, doch gleichzeitig durch die Tonart Des-Dur auch hell und positiv.

Das Stück ist mit seiner anspruchsvollen Gesangsmelodie, die Costello in seiner unverwechselbaren Art dynamisch und gefühlvoll interpretiert, voller Abwechslung und in ein passendes Arrangement mit Violinen, Celli und Horn eingebettet. So kann es im Kino seine Wirkung voll entfalten. Diese opulente Instrumentierung unterstreicht das Lyrische-Ich in dem Text mit der großen Bedeutung der Liebe zu seiner Angebeteten. Was kann da noch kommen?

Ain’t No Sunshine – Wenn die Sonne hinter dem Marktplatz untergeht

Nun, vor allem weitere hochklassige Songs, allen voran Ain’t no sunshine von Bill Withers. Ähnlich wie She hebt auch hier das Lyrische-Ich die Bedeutung seiner Liebe hervor, die hier jedoch verloren ist. In dem Film untermalt das Lied eine Kollage-artige Sequenz, in der William von Anna bereits zum zweiten Mal verlassen wurde und er in trauriger Stimmung über den bekannten Antiquitätenmarkt von Notting Hill schlendert.

Hierbei wechseln im Hintergrund die Jahreszeiten, um den zeitlichen Sprung zum folgenden Jahr darzustellen. So wie in dem Song das Lyrische-Ich hat auch William seine Geliebte verloren. Für ihn scheint nicht mehr die Sonne, da alles kalt und dunkel ohne sie ist.

Bill Withers Song, damals schon ein Klassiker der Soulmusic, ist in melancholischem a-moll gehalten und knüpft im Arrangement mit Streichern an She an, wenn auch etwas sparsamer. Mit seinem Groove versprüht es aber gleichzeitig eine coolere Atmosphäre und ist ein gutes Beispiel, wie ein einzelner Song ganze Sequenzen eines Films tragen kann.

Hugh Grant als William Thacker beim berühmten Spaziergang durch die Jahreszeiten auf der Portobello Road in Notting Hill.

Abb.2: Während die Jahreszeiten an William vorbeiziehen, macht Ain’t No Sunshine seine Einsamkeit spürbar.

When You Say Nothing at All – Irischer Charme und 90er Romantik

„Ebenso wie She und Ain‘t No Sunshine greift auch ein weiterer Titel das Thema Liebe auf, aber unter ganz anderen Vorzeichen: When You Say Nothing at All von Ronan Keating. Das lyrische Ich singt das Lied als eine Art Kompliment an seine Geliebte, der er für ihre Zuneigung danken will. So erklingt der Song im Film auch in den Momenten, in denen Anna und William harmonisch zusammen sind.

Im Arrangement fällt sofort der Zeitgeist der späten 90er Jahre ins Ohr: Mit Akustikgitarre, Flöte, Shaker, Piano und Xylophon zitiert das Stück im Soloteil atmosphärisch den damals populären Titanic-Soundtrack und bringt ein wenig Lokalkolorit von den britischen Inseln in die Musik. Auch der Chorgesang und der vorherrschende Folk-Pop-Sound spiegeln diese Ära wider und erinnern an die irische Band The Corrs, die zu dieser Zeit sehr populär war. Lovelier!

So unterstützt die Filmmusik die großen Gefühle in „Notting Hill“

Doch nicht nur diese drei Highlights fügen sich harmonisch in das Gesamtbild. Auch weitere Songs wie „Gimme Some Lovin‘“ von der Spencer Davis Group passen in ihren jeweiligen Szenen perfekt in dei Dramaturgie.

Aber wie sieht es mit dem Score aus – der eigens komponierten Instrumentalmusik, ohne die ein solcher Film nicht auskommen würde? Hier zeichnet der südafrikanische Komponist Trevor Jones verantwortlich. Mit seinen Kompositionen schafft er das emotionale Fundament, auf dem die Pop-Songs erst richtig glänzen können.

Will and Anna – Das Herzschlag-Thema in E-Dur

Mit dem gefälligen und harmonischen Leitmotiv in E-Dur schafft Jones einen Wiedererkennungswert, der den Zuschauer durch den gesamten Film führt. Durch verschiedene Instrumentierungen und Timbres lässt er die Geschichte an den richtigen Stellen dichter werden. Er verbindet die einzelnen Teile der Handlung so stark miteinander, dass der „musikalische Kitt“ fast schon zu glatt, vielleicht sogar ein wenig schmalzig wirkt.

Nichtsdestotrotz überzeugt die Komposition durch ihre atmosphärische Dichte: Melancholie, Traurigkeit, Freude und Wärme wechseln sich durch geschmackvolle Dur- und Moll-Akkordfärbungen ab. Hier merkt man sofort: Hier arbeitet ein versierter Meister seines Fachs. Splendid!

Notting Hill – Wo die klassische Gitarre auf Pop trifft

In Jones‘ zweitem Titel, „Notting Hill“, dominiert zunächst stilecht die klassische Gitarre das bekannte Leitmotiv. Im weiteren Verlauf schlägt Jones jedoch eine geniale Brücke: Mit einer moderneren Instrumentierung aus Westerngitarre, Piano und Percussion zieht er soundmäßig eine Verbindung zu Ronan Keatings „When You Say Nothing At All“.

Indem er das Leitmotiv rhythmisch verkleinert und den Off-Beat nutzt, webt er ein dichtes Geflecht aus Songs und Score. Als Zuschauer hat man so immer wieder unbewusst das Gefühl, dass alles passt. Es ist diese musikalische Einheit, die den Film trägt und atmosphärisch unbesiegbar macht. Superb!

Fazit – Warum Notting Hill für mich zeitlos bleibt

An diesem Punkt kann man sagen: Das Paket aus Handlung, Schauspielern und der Filmmusik ist perfekt geschnürt. Man wird vom Kinobesucher zum Fan – zumindest ging es mir so.

Ich lebte zu der Zeit für ein Auslandssemester in London und hatte das Glück, eine der ersten offiziellen Vorstellungen vor Ort zu sehen. Von dem Film wusste ich im Vorfeld fast nichts, außer dass Hugh Grant und Julia Roberts die Hauptrollen spielten. Ich wurde nicht enttäuscht. In den Straßen von Notting Hill hörte man die Leute damals überall über den Film sprechen; sie waren sichtlich stolz auf „ihr“ Viertel.

Ich dagegen habe nach dem Kinobesuch immer Ausschau nach Ringo Starr gehalten – wer den Film kennt, weiß natürlich warum – und die berühmte blaue Tür gesucht, die der heimliche Mittelpunkt der Geschichte ist. Ringo konnte ich (genau wie Martin, Williams Mitarbeiter aus dem Buchladen) leider nie finden. Aber die blaue Tür habe ich nach einigem Suchen schließlich entdeckt.

Als Musiker fasziniert mich heute, wie handwerklich perfekt dieser Soundtrack auch nach Jahrzehnten noch funktioniert. Er traut sich, opulent zu sein, ohne kitschig zu wirken, und nutzt die klassischen Werkzeuge der Melancholie so präzise wie kaum ein anderer Score. Wenn ich heute die ersten Takte von „She“ höre, bin ich sofort wieder zurück in London. Es ist diese Magie der Musik, die aus einer einfachen Liebesgeschichte ein Stück Kinogeschichte macht.

Ich kann mich heute noch genauso entspannt zurücklehnen wie damals und die blaue Tür auf der Leinwand mitsamt dem Notting Hill Soundtrack genießen. Loveliest!

Produktionsdetails:

  • Regie: Roger Michell
  • Produzent: Duncan Kenworthy
  • Drehbuch: Richard Curtis
  • Musik (Score): Trevor Jones
  • Kamera: Michael Coulter
  • Schnitt: Nick Moore
  • Produktionsfirmen: PolyGram Filmed Entertainment, Working Title Films
  • Vertriebe: Universal Pictures; PolyGram Filmed Entertainment
  • Laufzeit: 124 Minuten
  • Premiere: 27 April 1999, Odeon Leicester Square, London
  • Kinostart UK: 21 Mai 1999
  • Kinostart USA: 28 Mai 1999

Darsteller:

  • William Thacker – Hugh Grant
  • Anna Scott – Julia Roberts
  • Spike – Rhys Ifans
  • Bella – Gina McKee
  • Max – Tim McInnerny
  • Bernie – Hugh Bonneville
  • Honey Thacker – Emma Chambers
  • Tony – James Dreyfus

Soundtrack:

  • Album: Notting Hill: Music from the Motion Picture
  • Label: Island Records
  • Veröffentlichung UK: 17 Mai 1999
  • Veröffentlichung USA: 24 Mai 1999
  • Formate: CD & Kassette (1999); Vinyl-Edition 28 Mai 2019

Anspieltipps:

  • She
  • Ain’t no sunshine
  • When you say nothing at all
  • William and Anna

Bildquellen:

Beitragsbild: Christian Jahl

Beitragsfoto: Bildzitat nach §51 UrhG, Quelle: tvinsider, abgerufen am 25.4.2025.

Foto Abb. 1: Bildzitat nach §51 UrhG, Quelle: pinterest, abgerufen am 25.4.2025.

Screenshot Abb. 2: Bildzitat nach §51 UrhG, Quelle: YouTube-Kanal Outstanding Screenplays YouTube, abgerufen am 6.2.2026

Ueber mich - Christian Jahl

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