Was heute vielen eher als das Ergebnis einer defekten Wortergänzung des Smartphones vorkommt, ist nichts weiter als das Motto eines der wohl produktivsten und vielseitigsten Komponisten des 20. Jahrhunderts – Frank Zappa. Es steht für Anything Anytime Anyplace For No Reason At All. Zappa ist vor mittlerweile 22 Jahren viel zu früh gestorben. Doch bis zuletzt hat er an neuer Musik gearbeitet, wie man an dem Album  The Yellow Shark von 1993 sehen kann, das kurz vor seinem Tod mit dem Ensemble Modern aus Frankfurt eingespielt wurde. Nun kommt ein als verschollen gegoltenes Album auf den Markt, von dem Zappa nur einmal in einem Interview gesprochen hatte.

Dance Me This

Dieses Album trägt den Titel „Dance Me This“ und ist auch für Zappa ungewöhnlich. Denn die Musik ist am Synclavier entstanden. Ein Synclavier ist sozusagen ein Vorläufer heutiger Digitaler Audio Workstations. Man kann es sich grob beschrieben als einen Synthesizer vorstellen, der über Samplefunktionen, umfangreiche Klangbibliotheken und ein Notendrucksystem verfügte. Man konnte damit u.a. autark symphonisch komponieren und produzieren. Heute sind die Synclaviers durch die technische Entwicklung vom Markt verschwunden, doch waren sie in den 1970er und 1980er Jahre überall präsent und eigentlich bei allen damals populären Künstlern in Gebrauch. Jeder Mensch, der Popmusik hört, hat es schon einmal gehört. So nutzten so unterschiedliche Musiker und Bands wie Kraftwerk, Peter Gabriel, Pat Metheny, Chick Corea, Depeche Mode oder Nile Rodgers, der gerade wieder mit Daft Punk und Pharrell Williams die Charts unsicher macht, dieses Gerät, und nun auch Frank Zappa.

Das Album dürfte auch deswegen außergewöhnlich sein, da als Sänger sibirische Obertonsänger aus Tuwa verpflichtet wurden. Zappa liebte diesen speziellen Gesang der Vokalmusik aus Sibirien und der Mongolei. Dieser Gesang nutzt den Kehlkopf mit einer besonderen Technik und produziert dabei nur Obertöne, die einen surrenden Klang produzieren. In seinem Studio „Utility Muffin Research Kitchen“  machte er Aufnahmen mit den drei Kehlkopfsängern Anatolii Kuular, Kaigl-Ool Khovaly und Kongar-Ool Ondar.

Modern Dance

Zappa wollte die Musik für Modern Dance Gruppen produzieren oder hatte sie vor seinem geistigen Ohr, als er die Stücke komponierte. Ob das gelungen ist, muss die Zeit zeigen und die Akzeptanz der Musik durch Tanzgruppen. Aber Zappa hat mit diesem Werk 22 Jahre nach seinem Tod einen weiteren Planeten in die Umlaufbahn seines Universums geschickt, der neben den anderen Planeten auch hell leuchten wird. Zumal „Dance Me This“ die einhundertste Veröffentlichung von Frank Zappa ist. Somit unterstreicht er einmal mehr die Gültigkeit seines Mottos. AAAFNRAA eben.

Bildquelle:
By Jean-Luc – originally posted to Flickr as FRANK ZAPPA, CC BY 2.0,
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